Success Story: Headless Commerce für ein Händlerportal in der Werkzeugbranche
Bestehendes CMS erweitern statt eine neue Plattform bauen
Ein etablierter Hersteller aus der Werkzeugbranche betreibt für seine Handelspartner ein umfangreiches B2B-Händlerportal. Die Plattform dient als zentrale Anlaufstelle für Produktinformationen, Services und weitere digitale Angebote.
Die neue Anforderung:
Ausgewählte Produkte und Ersatzteile sollten direkt über das bestehende Händlerportal bestellbar werden.
Dabei gab es eine wichtige Vorgabe:
Die bestehende Plattform sollte erhalten bleiben.
Über Jahre waren erhebliche Investitionen in Content, Benutzerführung, individuelle Funktionen und Schnittstellen geflossen. Ein Replatforming oder der Aufbau eines zusätzlichen, separaten B2B-Shops hätte deshalb nicht nur erhebliche Kosten verursacht, sondern auch bestehende Investitionen infrage gestellt.
Gesucht wurde eine Lösung, mit der sich Commerce-Funktionalität gezielt ergänzen lässt, ohne aus dem bestehenden CMS eine komplexe Commerce-Plattform machen zu müssen.
Die Lösung:
Commerce als Headless-Komponente
Wir entschieden uns für einen Headless-Ansatz.
Das bestehende CMS bleibt verantwortlich für:
- Content
- Benutzerführung und
- Experience
Eine spezialisierte Commerce-Plattform übernimmt im Hintergrund die transaktionalen Funktionen.
Beide Systeme werden über APIs und individuell entwickelte Komponenten miteinander verbunden.
Für den Handelspartner ist diese Trennung nicht sichtbar: Produktauswahl, Varianten, Preise, Bestände und Warenkorb sind unmittelbar in das bestehende Händlerportal integriert.
Technologisch bleiben CMS und Commerce dennoch klar voneinander getrennt.
Commerce dort integrieren, wo er gebraucht wird
Für die benötigten Funktionen entwickelten wir modulare Komponenten, die direkt in die vorhandenen Produktseiten des Händlerportals integriert werden.
Dazu gehören unter anderem:
-
Auswahl von Produktvarianten
-
Warenkorb-Funktion
-
integrierte Warenkorb-Anzeige
-
dynamische Preis- und Bestandsinformationen
-
Übergabe in den Bestellprozess
Damit entsteht kein zusätzlicher Shop, zwischen dem Händlerportal und Anwender wechseln müssen.
Das bestehende Portal wird genau dort transaktionsfähig, wo eine Bestellmöglichkeit einen Mehrwert bietet.
Das Ergebnis:
1. Produkt hinzufügen
2. Warenkorb prüfen
3. Bestellung vorbereiten
4. Bestellung abschließen
Aus einem bestehenden Content- und Serviceportal für Handelspartner wurde eine Plattform, über die ausgewählte Produkte und Ersatzteile direkt bestellt werden können.
Für den Anwender entsteht ein durchgängiger Prozess:
Produkt finden → Variante auswählen → Preis und Bestand prüfen → in den Warenkorb legen → Bestellung auslösen
Dass dafür im Hintergrund unterschiedliche Systeme zusammenspielen, ist für ihn nicht relevant und nicht sichtbar.
Echtzeitdaten aus dem Commerce-Backend
Die eigentliche Commerce-Logik verbleibt in einer dafür spezialisierten Plattform.
Über eine individuell entwickelte Integrationsschicht werden unter anderem:
-
Preise in Echtzeit bereitgestellt
-
aktuelle Bestände abgerufen
-
Produkt- und Varianteninformationen synchronisiert
-
Warenkörbe validiert
-
Bestellprozesse vorbereitet und verarbeitet
Das CMS muss diese komplexe Logik nicht selbst abbilden.
Jedes System übernimmt die Aufgaben, für die es konzipiert wurde.
Steuerung über das bestehende Händlerportal
Ein wichtiger Bestandteil der Lösung ist die flexible Steuerung der Commerce-Funktionen.
Über Metadaten im CMS lässt sich beispielsweise festlegen:
-
welche Produkte bestellbar sind
-
welche Varianten angeboten werden
-
wo Bestellfunktionen angezeigt werden
-
wie Produkte innerhalb des Portals dargestellt werden
Damit kann der Hersteller sehr granular entscheiden, für welche Teile des Sortiments Commerce-Funktionalität angeboten werden soll.
Gerade in der Werkzeugbranche ist das interessant: Nicht jedes Produkt und nicht jede Produktinformation muss automatisch Bestandteil eines klassischen Onlineshops sein. Gleichzeitig können beispielsweise Ersatzteile oder ausgewählte Sortimente sehr sinnvoll direkt bestellbar gemacht werden.
Der Architekturvorteil
Der Headless-Ansatz vermeidet eine häufige Konsequenz neuer digitaler Anforderungen:
Eine neue Funktion erfordert nicht automatisch ein neues Gesamtsystem.
Statt das bestehende Händlerportal zu ersetzen oder das CMS mit umfangreicher Commerce-Logik auszustatten, wurden die Verantwortlichkeiten sauber getrennt:
CMS → Content & Experience
Commerce-Plattform → Preise, Warenkorb & Transaktionen
Integrationsschicht → Verbindung beider Welten
Dadurch bleiben die einzelnen Komponenten unabhängig voneinander weiterentwickelbar.
Der wirtschaftliche Vorteil
Die Architekturentscheidung war dabei kein technologischer Selbstzweck.
Durch die gezielte Integration konnten bestehende Investitionen weiter genutzt und gleichzeitig neue digitale Geschäftsprozesse ermöglicht werden.
Das bedeutet:
-
bestehende CMS-Investitionen bleiben erhalten
-
kein vollständiges Replatforming erforderlich
-
geringere Eingriffe in die vorhandene Plattform
-
klar abgegrenzte Verantwortlichkeiten der Systeme
-
schlankere Umsetzung der Commerce-Anforderungen
-
einzelne Komponenten können zukünftig unabhängig weiterentwickelt oder ausgetauscht werden
Statt ein funktionierendes System wegen einer neuen Anforderung zu ersetzen, wurde gezielt die fehlende Fähigkeit ergänzt.
Fazit: Erweitern statt Replatformen
Headless Commerce wird häufig mit großen Replatforming-Projekten und komplexen Composable-Commerce-Architekturen verbunden.
Dieses Projekt aus der Werkzeugbranche zeigt einen anderen, sehr pragmatischen Anwendungsfall:
Headless Commerce kann eine wirtschaftlich interessante Möglichkeit seinbestehende CMS-, Kunden- oder Händlerportale gezielt um transaktionale Funktionen zu erweitern.
Die entscheidende Frage lautet dann nicht:
„Welches neue Shopsystem brauchen wir?“
Sondern:
„Welche unserer bestehenden Systeme funktionieren gut – und welche fehlenden Fähigkeiten müssen wir ergänzen?“
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