BMEcat, openTRANS und ECLASS/ETIM: Deutsche Produktdatenstandards im Industrieshop umsetzen

Ein B2B-Industrieshop benötigt nicht nur gute Produktdaten. Er muss diese Daten auch mit Lieferanten, Kunden, Beschaffungsplattformen, PIM- und ERP-Systemen austauschen können.

Im deutschsprachigen Industrieumfeld spielen dabei vier Standards eine besonders wichtige Rolle:

  • BMEcat für elektronische Produktkataloge,
  • openTRANS für Geschäftsdokumente,
  • ECLASS für die branchenübergreifende Klassifikation,
  • ETIM für die standardisierte Beschreibung technischer Produkte.

Die vier Standards erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Sie sollten deshalb nicht als Alternativen betrachtet werden.

Ein Lieferant kann seine Produkte beispielsweise nach ETIM oder ECLASS klassifizieren, den Katalog per BMEcat bereitstellen und Bestellungen, Bestätigungen sowie Lieferavise anschließend über openTRANS austauschen.

Die technische Herausforderung besteht darin, diese Informationen korrekt auf die Datenmodelle von PIM, ERP und Commerce-Plattform zu übertragen.

Dieser Leitfaden zeigt, wie Unternehmen dabei pragmatisch vorgehen können.

Die grundsätzlichen Anforderungen an digitale Vertriebsplattformen behandelt unser Beitrag Industrie-E-Commerce – Grundlagen und Anforderungen.

Warum diese vier Standards im deutschen B2B kaum verzichtbar sind

Die Bedeutung eines Standards hängt immer von Branche, Kundenstruktur und Vertriebskanal ab. Nicht jedes Industrieunternehmen benötigt alle vier Formate.

Wer jedoch mit großen Geschäftskunden, technischen Großhändlern, Einkaufsplattformen oder standardisierten Produktkatalogen arbeitet, begegnet ihnen früher oder später.

 

BMEcat als De-facto-Standard für elektronische Kataloge

BMEcat ist ein XML-basiertes Austauschformat für Produktkataloge. Es wurde für den elektronischen Austausch umfangreicher Produkt- und Kataloginformationen entwickelt.

Ein BMEcat-Katalog kann unter anderem enthalten:

  • Produktnummern,
  • Produktbezeichnungen,
  • Lang- und Kurztexte,
  • Bestelleinheiten,
  • Preise,
  • Verpackungseinheiten,
  • Produktmerkmale,
  • Klassifikationen,
  • Referenzprodukte,
  • Zubehörbeziehungen,
  • Bilder,
  • Datenblätter,
  • weitere Mediendateien.

Im Projektalltag begegnen Unternehmen vor allem BMEcat 1.2 und BMEcat 2005. Für neue Implementierungen ist BMEcat 2005 beziehungsweise eine darauf basierende Ausprägung meist die sinnvollere Zielversion. Bestehende Kunden und Lieferanten können jedoch weiterhin BMEcat 1.2 verlangen.

ECLASS stellt Leitfäden für die Einbettung seiner Klassifikation sowohl in BMEcat 1.2 als auch in BMEcat 2005 und 2005.1 bereit. Für BMEcat 2005.1 Advanced existiert ein XML-Schema; bei älteren Formaten kommen teilweise DTD-basierte Definitionen zum Einsatz. (ECLASS)

Die verwendete Version sollte deshalb niemals nur intern festgelegt werden. Entscheidend ist, welche Profile und Pflichtfelder die jeweiligen Geschäftspartner erwarten.

 

openTRANS für Bestellung, Bestätigung und Rechnung

Während BMEcat Produktkataloge beschreibt, standardisiert openTRANS Geschäftsdokumente.

openTRANS 2.1 wurde vom Fraunhofer IAO für den elektronischen Austausch zwischenbetrieblicher Dokumente entwickelt. Der Standard baut auf BMEcat-Strukturen auf und umfasst unter anderem Bestellungen, Bestelländerungen, Bestellbestätigungen, Lieferavise und Rechnungen. (GitHub)

Zu den unterstützten Dokumenttypen gehören:

  • RFQ – Angebotsanfrage,
  • QUOTATION – Angebot,
  • ORDER – Bestellung,
  • ORDERCHANGE – Bestelländerung,
  • ORDERRESPONSE – Bestellbestätigung,
  • DISPATCHNOTIFICATION – Lieferavis,
  • RECEIPTACKNOWLEDGEMENT – Wareneingangsbestätigung,
  • INVOICE – Rechnung,
  • INVOICELIST – Rechnungsliste,
  • REMITTANCEADVICE – Zahlungsavis.

In einem Industrieshop verbindet openTRANS somit die Commerce-Plattform mit ERP, Einkaufssystem und Geschäftspartnern.

 

ECLASS als branchenübergreifende Klassifikation

ECLASS ist ein branchenübergreifender Datenstandard für Produkte und Dienstleistungen.

Er stellt unter anderem bereit:

  • Klassen,
  • Merkmale,
  • Werte,
  • Einheiten,
  • Schlagwörter,
  • Beziehungen,
  • eindeutige Identifikatoren.

Damit können Unternehmen Produkte nicht nur einer Kategorie zuordnen, sondern technisch strukturiert beschreiben.

Eine Pumpe kann beispielsweise einer bestimmten ECLASS-Klasse zugeordnet und anhand standardisierter Merkmale wie Förderleistung, Werkstoff oder Anschlussart beschrieben werden.

ECLASS lässt sich in BMEcat-Kataloge integrieren. Die offizielle technische Dokumentation beschreibt den Austausch von Klassifikationen, Merkmalen und Werten in BMEcat 2005 und 2005.1. (ECLASS)

 

ETIM als Standard für technische Produkte

ETIM ist ebenfalls ein Klassifikationsmodell, konzentriert sich jedoch besonders auf technische Produktbereiche.

Der Standard ist traditionell stark vertreten in:

  • Elektrotechnik,
  • SHK,
  • Bauprodukten,
  • Werkzeugen,
  • Installationsmaterial,
  • technischen Komponenten.

Das ETIM-Modell strukturiert technische Produkte anhand von Klassen, Merkmalen, Werten und Synonymen. Es stellt damit die Grundlage für einheitliche Produktinformationen in Shops, Suchsystemen, Katalogen und Konfiguratoren bereit. (ETIM International)

Mit ETIM Modelling Classes existiert zudem eine Erweiterung für die standardisierte Beschreibung geometrischer Eigenschaften und den Austausch von 3D-Produktdaten mit CAD-Anwendungen. (ETIM International)

Die aktuelle internationale Hauptversion ist ETIM 10.0, die seit Dezember 2024 unter anderem als IXF-, CSV- und Excel-Ausgabe bereitgestellt wird. (ETIM International)

 

BMEcat 2005 in einen B2B-Shop importieren

Ein BMEcat-Importer sollte nicht lediglich XML-Dateien einlesen. Er muss die Strukturen des Absenders kontrolliert auf das eigene Datenmodell übertragen.

Der Importprozess besteht typischerweise aus:

  1. Dateiannahme,
  2. technischer Validierung,
  3. Profilprüfung,
  4. Schema-Mapping,
  5. fachlicher Validierung,
  6. Medienübernahme,
  7. Klassifikationszuordnung,
  8. Import in PIM oder Shop,
  9. Protokollierung und Fehlerbehandlung.

 

Schema-Mapping auf Plattform-Entities

Die Begriffe und Strukturen eines BMEcat-Katalogs entsprechen selten exakt dem Datenmodell der Zielplattform.

Ein mögliches Mapping sieht vereinfacht so aus:

BMEcat-Information

Zielobjekt

Produkt-ID des Lieferanten

SKU oder externe Produkt-ID

Kurzbeschreibung

Produktname

Langbeschreibung

Produktbeschreibung

Bestelleinheit

Verkaufseinheit

Inhaltsmenge

Verpackungs- oder Mengeneinheit

Preis

Preisobjekt oder Preisliste

Produktmerkmal

Attribut

Klassifikationsgruppe

Klasse oder Taxonomie

Produktreferenz

Zubehör-, Ersatz- oder Variantenbeziehung

MIME-Information

Bild, Dokument oder Mediendatei

Die größte Gefahr liegt in einem rein syntaktischen Mapping.

Beispiel: Ein Lieferant liefert als Bestelleinheit „Karton“, während das ERP Stück erwartet. Ohne Umrechnungsfaktor kann der Import formal korrekt sein, aber später falsche Bestellmengen erzeugen.

Deshalb müssen neben Feldnamen auch fachliche Regeln geklärt werden:

  • Welche Artikelnummer ist eindeutig?
  • Welche Einheit ist die Bestelleinheit?
  • Wie werden Verpackungseinheiten umgerechnet?
  • Sind Preise netto oder brutto?
  • Gelten Preise pro Stück, 100 Stück oder Verpackung?
  • Wie werden Varianten erkannt?
  • Welche Beziehungen werden übernommen?
  • Dürfen bestehende Daten überschrieben werden?

Für komplexere Integrationen sollte der BMEcat-Katalog zunächst in ein PIM oder eine Integrationsschicht übernommen werden. Dort können Daten geprüft, normalisiert und angereichert werden, bevor sie den Shop erreichen.

 

Bilder, Datenblätter und Mediendateien im BMEcat-Paket

BMEcat kann Mediendateien referenzieren. Dazu gehören beispielsweise:

  • Produktbilder,
  • Maßzeichnungen,
  • Datenblätter,
  • Bedienungsanleitungen,
  • Zertifikate,
  • Sicherheitsdatenblätter,
  • CAD-Dateien,
  • Videos.

Die Datei kann als URL referenziert oder gemeinsam mit dem Katalog bereitgestellt werden.

In der Praxis entstehen häufig Probleme durch:

  • nicht erreichbare URLs,
  • identische Dateinamen,
  • fehlende Dateiendungen,
  • unbekannte MIME-Typen,
  • große Datenmengen,
  • uneinheitliche Bildqualitäten,
  • fehlende Sprachkennzeichnung,
  • veraltete Dokumentversionen.

Der Import sollte deshalb nicht nur die Referenz übernehmen. Er muss prüfen, ob die Datei erreichbar, zulässig und eindeutig zuordenbar ist.

Für Dokumente empfiehlt sich zusätzlich die Speicherung von:

  • Dokumenttyp,
  • Sprache,
  • Version,
  • Gültigkeitsdatum,
  • Zielgruppe,
  • Produktbezug.

 

ECLASS- und ETIM-Klassifikationen im BMEcat-Format

BMEcat kann Klassifikationsinformationen und Produktmerkmale transportieren.

Dabei sollte zwischen drei Ebenen unterschieden werden:

  1. Klassifikation: Zu welcher standardisierten Klasse gehört das Produkt?
  2. Merkmalsdefinition: Welche Eigenschaften sind für diese Klasse vorgesehen?
  3. Merkmalswert: Welchen konkreten Wert besitzt das Produkt?

Ein Kabel kann beispielsweise einer ETIM-Klasse zugeordnet sein. Die Klasse definiert Merkmale wie Aderzahl, Leiterquerschnitt oder Mantelmaterial. Das konkrete Produkt enthält anschließend die jeweiligen Werte.

Beim Import muss die Zielplattform entscheiden:

  • Ist die benötigte Klassifikationsversion vorhanden?
  • Sind Klassen und Merkmale bereits angelegt?
  • Werden externe IDs dauerhaft gespeichert?
  • Wie werden Einheiten übersetzt?
  • Was geschieht mit unbekannten Merkmalen?
  • Wie werden Änderungen zwischen Releases behandelt?

Es genügt nicht, die Bezeichnung eines Merkmals zu vergleichen. Maßgeblich sollten die eindeutigen Kennungen des Standards sein.

 

openTRANS-Bestellprozesse vollständig abbilden

Viele Implementierungen beginnen mit einer ORDER-Datei. Ein belastbarer elektronischer Prozess endet jedoch nicht bei der Bestellung.

Der vollständige Ablauf kann umfassen:

  1. Bestellung,
  2. Änderung oder Storno,
  3. Bestellbestätigung,
  4. Teillieferung,
  5. weitere Teillieferung,
  6. Rechnung,
  7. Gutschrift oder Zahlungsavis.

 

ORDER, ORDERRESPONSE, DISPATCHNOTIFICATION und INVOICE

Die wichtigsten Dokumenttypen im Shopkontext sind:

ORDER

Die ORDER übermittelt die Bestellung vom Käufer an den Lieferanten.

Typische Inhalte:

  • Bestellnummer,
  • Käufer und Lieferant,
  • Liefer- und Rechnungsadresse,
  • Bestellpositionen,
  • Artikelnummern,
  • Mengen,
  • Einheiten,
  • Preise,
  • gewünschte Termine,
  • Kostenstellen oder Projektreferenzen.

ORDERRESPONSE

Die ORDERRESPONSE bestätigt oder verändert die angefragte Bestellung.

Eine Bestellposition kann beispielsweise:

  • vollständig bestätigt,
  • mit geänderter Menge bestätigt,
  • auf einen anderen Termin verschoben,
  • durch einen Ersatzartikel ersetzt,
  • oder abgelehnt werden.

Gerade diese Rückmeldung wird in einfachen Integrationen häufig unterschätzt. Eine Bestellbestätigung ist fachlich nicht immer eine Kopie der ursprünglichen Bestellung.

DISPATCHNOTIFICATION

Die DISPATCHNOTIFICATION kündigt eine Lieferung an.

Sie kann Informationen enthalten zu:

  • gelieferten Positionen,
  • Teilmengen,
  • Packstücken,
  • Versanddatum,
  • Transportdienstleister,
  • Sendungsnummer,
  • Lieferreferenzen.

Teil- und Restlieferungen müssen eindeutig auf die ursprünglichen Bestellpositionen zurückgeführt werden können.

INVOICE

Die INVOICE bildet die elektronische Rechnung ab.

Dabei müssen unter anderem berücksichtigt werden:

  • Rechnungspositionen,
  • Steuern,
  • Zu- und Abschläge,
  • Lieferbezüge,
  • Teilrechnungen,
  • Währungen,
  • Zahlungsbedingungen.

openTRANS 2.1 spezifiziert diese Geschäftsdokumente innerhalb eines gemeinsamen XML-Modells. Die verschiedenen Dokumenttypen sind auch im offiziellen Schema des Standards aufgeführt. (GitHub)

 

Mapping auf Shop-Workflow und ERP-Übergabe

Der Shop ist selten das führende System für Auftragsabwicklung, Lieferung und Rechnung. Diese Verantwortung liegt meist im ERP.

Ein typischer Ablauf lautet:

  • Der Shop nimmt die Bestellung entgegen.
  • Eine Integrationsschicht validiert und transformiert die Daten.
  • Das ERP legt den Kundenauftrag an.
  • Das ERP erzeugt Bestätigung, Lieferung und Rechnung.
  • Die Dokumente werden als openTRANS-Nachrichten ausgegeben.
  • Shop oder Kundenportal zeigen die aktuellen Statusinformationen.

Wichtig ist eine durchgängige Referenzierung:

  • Shopbestellnummer,
  • ERP-Auftragsnummer,
  • Kundenbestellnummer,
  • Positionsnummer,
  • Lieferungsnummer,
  • Rechnungsnummer.

Ohne stabile Referenzen lassen sich Teilmengen, Stornos und Gutschriften später nicht sicher zuordnen.

Ausführlich behandeln wir die Systemarchitektur unter ERP-seitige Anforderungen an BMEcat-Import.

 

ECLASS oder ETIM: Welche Klassifikation passt?

ECLASS und ETIM überschneiden sich in einzelnen Produktbereichen. Trotzdem verfolgen sie unterschiedliche Schwerpunkte.

Kriterium ECLASS ETIM
Ausrichtung branchenübergreifend technische Produktbranchen
Typische Bereiche Maschinenbau, Chemie, Betriebsmittel, Dienstleistungen Elektro, SHK, Werkzeuge, Bauprodukte
Struktur Klassen, Merkmale, Werte, Beziehungen Klassen, Merkmale, Werte, Synonyme
Typische Nutzung Einkauf, PIM, Stammdaten, Industrie 4.0 Großhandel, Produktsuche, Kataloge, technische Auswahl
CAD-Erweiterung über weitere Modelle und Standards möglich ETIM Modelling Classes

ECLASS in Maschinenbau, Chemie und allgemeiner Industrie

ECLASS ist häufig die passendere Grundlage, wenn ein Unternehmen sehr unterschiedliche Warengruppen oder Dienstleistungen klassifizieren muss.

Typische Anwendungsfelder sind:

  • Maschinen und Anlagen,
  • mechanische Komponenten,
  • Chemieprodukte,
  • Betriebsmittel,
  • Dienstleistungen,
  • Einkaufswarengruppen,
  • unternehmensweite Stammdaten.

ECLASS kann dadurch nicht nur für den Shop, sondern auch für Einkauf, ERP, PIM und Asset-Management relevant sein.

 

ETIM in Elektrotechnik, SHK und Werkzeugen

ETIM spielt seine Stärke besonders dort aus, wo technische Produkte über standardisierte Merkmale gesucht und verglichen werden.

Beispiele:

  • Schalter,
  • Kabel,
  • Leuchten,
  • Armaturen,
  • Heizungsprodukte,
  • Werkzeuge,
  • Installationsmaterial.

ETIM-Synonyme und einheitliche technische Merkmale unterstützen Produktsuche und Filterung. Der Standard selbst ist dabei keine fertige Produktdatenbank, sondern das Modell für die strukturierte Beschreibung der Produkte. (ETIM International)

 

Mehrfachklassifikation und Pflege im PIM

Ein Produkt kann mehreren Klassifikationen zugeordnet sein.

Beispielsweise verlangt ein Kunde ECLASS, während ein Elektrogroßhändler ETIM erwartet. Zusätzlich benötigt der eigene Shop eine verkaufsorientierte Kategorie.

Diese drei Strukturen erfüllen verschiedene Zwecke:

  • Shopkategorie: Navigation und Vermarktung,
  • ECLASS: branchenübergreifende Standardisierung,
  • ETIM: technische Merkmalsstruktur.

Sie sollten nicht zwangsläufig gegenseitig ersetzt werden.

Ein PIM kann diese Klassifikationen parallel verwalten und die passenden Daten für unterschiedliche Kanäle ausgeben.

Mehr dazu lesen Sie unter PIM als Bindeglied zwischen ERP und Shop.

 

Pragmatischer Umsetzungsplan für die ersten 90 Tage

Unternehmen sollten nicht versuchen, alle Standards und Sonderfälle gleichzeitig vollständig einzuführen.

Ein sinnvoller erster Projektabschnitt umfasst einen klar abgegrenzten Katalog, einen Geschäftspartner und einen dokumentierten Transaktionsprozess.

Tage 1 bis 30: Anforderungen und Profile festlegen

  • Geschäftspartner und Use Cases priorisieren,
  • benötigte BMEcat-Version bestimmen,
  • ECLASS- oder ETIM-Version festlegen,
  • Pflichtfelder dokumentieren,
  • openTRANS-Dokumente auswählen,
  • Beispieldateien sammeln,
  • führende Systeme definieren,
  • Artikelnummern, Einheiten und Referenzen klären.

Das wichtigste Ergebnis ist ein abgestimmtes Austauschprofil.

Nicht jeder Partner nutzt sämtliche Möglichkeiten eines Standards. In der Praxis wird meist ein konkretes Subset mit zusätzlichen Pflichtfeldern vereinbart.

Tage 31 bis 60: Mapping und technischer Durchstich

  • BMEcat-Datei technisch validieren,
  • 20 bis 100 repräsentative Produkte auswählen,
  • Mapping in PIM oder Shop entwickeln,
  • Bilder und Dokumente importieren,
  • eine Klassifikation integrieren,
  • eine ORDER ins ERP übertragen,
  • eine ORDERRESPONSE zurückspielen,
  • Fehlerprotokoll und Wiederholung testen.

Der Pilotdatensatz sollte bewusst schwierige Fälle enthalten:

  • Varianten,
  • mehrere Einheiten,
  • Staffelpreise,
  • Zubehör,
  • fehlende Medien,
  • Sonderzeichen,
  • mehrsprachige Texte.

Tage 61 bis 90: Prozess vervollständigen

  • größeren Produktbestand importieren,
  • Delta-Import testen,
  • Teilbestätigung verarbeiten,
  • Teillieferung abbilden,
  • Storno oder Mengenänderung prüfen,
  • Rechnung zuordnen,
  • Monitoring aufsetzen,
  • Dokumentation und Verantwortlichkeiten festlegen.

Nach 90 Tagen sollte nicht zwingend jeder denkbare Fall umgesetzt sein. Der vollständige Kernprozess sollte jedoch mit realistischen Daten stabil funktionieren.

 

Plattformunterstützung: OroCommerce, Adobe Commerce, Shopware 6 und BigCommerce

Alle vier Plattformen können in BMEcat-, openTRANS-, ECLASS- und ETIM-Prozesse eingebunden werden.

Entscheidend ist weniger, ob auf einer Feature-Liste „BMEcat“ steht, sondern wo Import, Validierung und Transformation fachlich stattfinden.

Plattform Typischer Integrationsweg Geeignet, wenn
OroCommerce Partnererweiterung, individueller Import, PIM oder Middleware komplexe B2B-Prozesse und Organisationsstrukturen 
Adobe Commerce DACH-Erweiterung, PIM, Middleware oder Individualintegration umfangreiche Kataloge und individuelle Commerce-Architektur
Shopware 6 Erweiterung aus dem Ökosystem, PIM oder API-Importer schneller DACH-Rollout mit standardisierten Katalogprozessen
BigCommerce API-basierter Import über PIM, Middleware oder Partnerlösung SaaS-Betrieb und entkoppelte Integrationsarchitektur

OroCommerce

OroCommerce besitzt ein umfangreiches B2B-Datenmodell und flexible Import-, API- und Workflowmöglichkeiten.

BMEcat und openTRANS sollten dennoch als konkrete Integrationsanforderung betrachtet werden. Abhängig vom Projekt erfolgt die Umsetzung über:

  • Partnererweiterung,
  • Middleware,
  • PIM,
  • individuellen Importer,
  • ERP-Integration.

Der Vorteil liegt insbesondere darin, dass kundenspezifische Kataloge, Preislisten, Organisationen und Angebotsprozesse anschließend innerhalb derselben Commerce-Plattform verarbeitet werden können.

Weitere Informationen finden Sie unter BMEcat-Support in OroCommerce.

Adobe Commerce und Shopware 6

Für Adobe Commerce und Shopware 6 existieren im deutschsprachigen Ökosystem verschiedene Erweiterungen und Integrationslösungen.

Vor ihrer Auswahl sollte geprüft werden:

  • unterstützte BMEcat-Version,
  • Import oder Export,
  • vollständiger oder inkrementeller Import,
  • Klassifikationsunterstützung,
  • Medienverarbeitung,
  • Varianten und Produktbeziehungen,
  • Protokollierung,
  • Mandanten- und Preislistenfähigkeit.

Ein Plugin kann den Einstieg beschleunigen. Es ersetzt aber kein projektspezifisches Mapping.

BigCommerce

Bei BigCommerce erfolgt die Integration typischerweise über APIs und externe Dienste.

Ein PIM oder eine Middleware verarbeitet den BMEcat-Katalog, normalisiert die Daten und überträgt sie anschließend über die Plattform-APIs.

Dieses Vorgehen passt zum SaaS-Modell, weil komplexe Dateiverarbeitung und Transformationslogik außerhalb der Commerce-Plattform bleiben.

Es erfordert jedoch eine belastbare Integrationsschicht mit:

  • Warteschlangen,
  • Fehlerprotokoll,
  • Wiederholungslogik,
  • Delta-Verarbeitung,
  • und Monitoring.

 

Fazit: Standards reduzieren Aufwand nur mit einem verbindlichen Profil

BMEcat, openTRANS, ECLASS und ETIM schaffen eine gemeinsame fachliche Sprache.

Sie beseitigen jedoch nicht automatisch alle Integrationsprobleme.

Die Erfahrung zeigt:

  • BMEcat benötigt ein konkretes Mapping.
  • openTRANS benötigt einen vollständig definierten Geschäftsprozess.
  • ECLASS und ETIM benötigen eine festgelegte Version.
  • Einheiten, Artikelnummern und Referenzen müssen eindeutig sein.
  • Partner verwenden häufig nur Ausschnitte des jeweiligen Standards.
  • Erweiterungen und individuelle Pflichtfelder bleiben üblich.

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist deshalb ein verbindliches Austauschprofil, das von allen Beteiligten verstanden und getestet wurde.

Erst danach sollte entschieden werden, ob die Umsetzung im Shop, im PIM, in einer Middleware oder im ERP erfolgt.

Häufig gestellte Fragen zu BMEcat, openTRANS, ECLASS und ETIM

Was ist der Unterschied zwischen BMEcat und openTRANS?

BMEcat dient dem Austausch elektronischer Produktkataloge. openTRANS standardisiert Geschäftsdokumente wie Bestellung, Bestellbestätigung, Lieferavis und Rechnung. Häufig werden beide Standards innerhalb derselben B2B-Integration eingesetzt.

Ist BMEcat 1.2 noch relevant?

Ja. BMEcat 1.2 wird in bestehenden Kunden- und Lieferantenbeziehungen weiterhin eingesetzt. Für neue Implementierungen ist BMEcat 2005 häufig die geeignetere Zielversion. Maßgeblich bleibt jedoch das vereinbarte Profil des jeweiligen Geschäftspartners.

Kann BMEcat Bilder und Datenblätter übertragen?

BMEcat kann Bilder, Datenblätter, Zertifikate und weitere Mediendateien referenzieren. Die Dateien werden beispielsweise über URLs oder zusammen mit dem Katalog bereitgestellt. Der Importer muss Verfügbarkeit, Dateityp und Produktzuordnung prüfen.

Welche Dokumente unterstützt openTRANS?

openTRANS 2.1 unterstützt unter anderem Angebotsanfragen, Angebote, Bestellungen, Bestelländerungen, Bestellbestätigungen, Lieferavise, Wareneingangsbestätigungen, Rechnungen und Zahlungsavise.

Was ist der Unterschied zwischen ECLASS und ETIM?

ECLASS ist branchenübergreifend ausgerichtet und umfasst Produkte sowie Dienstleistungen. ETIM konzentriert sich auf die strukturierte Beschreibung technischer Produkte und ist besonders in Elektrotechnik, SHK, Werkzeugen und verwandten Bereichen verbreitet.

Kann ein Produkt gleichzeitig nach ECLASS und ETIM klassifiziert werden?

Ja. Ein Produkt kann mehreren Klassifikationen zugeordnet werden. Das ist beispielsweise sinnvoll, wenn unterschiedliche Kunden oder Vertriebskanäle verschiedene Standards verlangen. Die parallele Pflege erfolgt idealerweise in einem PIM-System.

Unterstützen OroCommerce, Adobe Commerce, Shopware 6 und BigCommerce BMEcat?

Alle vier Plattformen können BMEcat-Daten verarbeiten, allerdings über unterschiedliche Wege. Je nach Plattform und Projekt kommen Erweiterungen, PIM-Systeme, Middleware oder individuell entwickelte API-Importer zum Einsatz.

Gehört die BMEcat-Logik in den Shop oder in das PIM?

Bei einfachen Katalogen kann ein direkter Shopimport ausreichen. Bei mehreren Lieferanten, Klassifikationen, Datenqualitätsregeln oder Vertriebskanälen ist ein PIM oder eine Integrationsschicht meist die bessere Stelle für Validierung, Mapping und Anreicherung.

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