OroCommerce CPQ und Produktkonfigurator: Angebotsprozesse im B2B automatisieren

Viele B2B-Unternehmen sprechen Ăźber CPQ, meinen aber eigentlich zwei unterschiedliche Dinge:

  • Angebotsprozesse digitalisieren
  • Produkte konfigurieren

Beides hängt zusammen, ist technisch aber nicht dasselbe. Genau hier entstehen viele Missverständnisse bei der Bewertung von OroCommerce. OroCommerce bringt bereits ein leistungsfähiges Quote Management mit. Das bedeutet: Kunden kÜnnen Angebote anfragen, Vertriebsmitarbeiter Angebote erstellen und Freigabeprozesse digital ablaufen lassen.

Ein vollwertiger Produktkonfigurator fĂźr komplexe technische Produkte gehĂśrt jedoch nicht zum Standardumfang. Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Reicht das native Quote Management oder benÜtigen Sie zusätzlich ein CPQ- bzw. Produktkonfigurator-System?

Wer zunächst die gesamte Plattform kennenlernen möchte, findet im Beitrag OroCommerce als B2B-Gesamtlösung einen vollständigen Überblick.

Quote Management in OroCommerce – was im Standard enthalten ist

OroCommerce gehĂśrt zu den wenigen B2B-Plattformen, die ein echtes Angebotsmanagement bereits nativ mitbringen.

Während andere Systeme hierfßr Erweiterungen oder Drittanbieter benÜtigen, ist Quote Management Bestandteil der Plattform.

Request-for-Quote (RFQ)

Der klassische Ablauf:

  1. Kunde legt Produkte in den Warenkorb
  2. Kunde fordert ein Angebot an
  3. Vertrieb prĂźft die Anfrage
  4. Preis und Konditionen werden angepasst
  5. Angebot wird zurĂźckgesendet
  6. Kunde akzeptiert oder lehnt ab

Besonders im Maschinenbau, technischen Großhandel und Projektgeschäft ist dieser Ablauf alltäglich.

Quote-to-Order-Prozess

Ein akzeptiertes Angebot kann direkt in einen Auftrag ĂźberfĂźhrt werden.

Dadurch entfallen:

  • doppelte Dateneingaben
  • MedienbrĂźche
  • manuelle Auftragserfassung

Gerade bei komplexeren B2B-Vertriebsprozessen reduziert dies den administrativen Aufwand erheblich.

Für Großhändler mit kundenindividuellen Preislisten lohnt sich ergänzend ein Blick auf Preislisten und Kundenportale im Großhandel.

Genehmigungsprozesse Ăźber die Workflow Engine

Ein häufig unterschätzter Vorteil von OroCommerce ist die integrierte Workflow Engine.

Typische Freigaben:

  • Sonderrabatte
  • Projektpreise
  • Rahmenverträge
  • Großaufträge
  • individuelle Zahlungsbedingungen

kÜnnen ohne zusätzliche BPM-Software modelliert werden.

 

Wo das native Quote Management an Grenzen stößt

Quote Management und CPQ werden oft gleichgesetzt. Das ist jedoch nicht korrekt.

Quote Management beantwortet die Frage: „Zu welchem Preis verkaufen wir dieses Produkt?”

CPQ beantwortet die Frage: „Welches Produkt darf überhaupt verkauft werden?”

Ab einer bestimmten Produktkomplexität reicht das Standard-Quote-Management deshalb nicht mehr aus.

Komplexe Produktvarianten

Einige typische Beispiele:

  • Maschinen
  • Anlagen
  • Schaltschränke
  • FĂśrdertechnik
  • Sonderfahrzeuge

Hier entstehen häufig hunderte oder tausende KonfigurationsmÜglichkeiten.

Die Abhängigkeiten zwischen den Optionen mßssen automatisch geprßft werden.

Technische Validierung

Beispielsweise:

  • Motor A benĂśtigt Getriebe B
  • Option X schließt Option Y aus
  • Leistungsklasse Z erfordert KĂźhlung W

Diese Logik gehĂśrt in ein CPQ-System und nicht in das Standard-Quote-Management.

3D-Visualisierung

Moderne Konfiguratoren bieten zusätzlich:

  • 3D-Darstellung
  • Augmented Reality
  • Echtzeit-Vorschau
  • automatische Zeichnungserstellung

Diese Funktionen sind nicht Bestandteil von OroCommerce.

 

Externe Konfiguratoren in OroCommerce integrieren

Die gute Nachricht: Eine Integration externer Konfiguratoren ist ein etabliertes Architekturmuster.

In den meisten Projekten bleibt OroCommerce das zentrale Kunden-, Warenkorb- und Auftragssystem.

Der Konfigurator übernimmt ausschließlich die Produktlogik.

Tacton, Configit und camos

Diese Systeme gehĂśren zur Enterprise-Klasse.

Typische Einsatzbereiche:

  • Maschinenbau
  • Anlagenbau
  • Automotive
  • komplexe Industrieprodukte

Stärken:

  • Regelwerke
  • technische Validierung
  • Angebotsautomatisierung
  • CAD-Integration

Combeenation, encoway und Roomle

Im Mittelstand sehen wir häufig diese LÜsungen.

Sie bieten:

  • visuelle Konfiguration
  • Preisberechnung
  • Variantenlogik
  • einfachere Integrationen

Gerade fßr mittelständische Hersteller sind sie oft wirtschaftlicher als Enterprise-CPQ-Systeme.

3D-Konfiguratoren

Wenn die Visualisierung im Vordergrund steht, kommen häufig Systeme wie:

  • Roomle
  • ThreeKit

zum Einsatz.

Diese ergänzen die klassische CPQ-Logik um eine visuelle Benutzerfßhrung.

 

Das typische Architekturmuster

In der Praxis hat sich ein Muster etabliert: Konfigurator vorne – OroCommerce hinten.

Die Aufgabenverteilung sieht dann typischerweise so aus:

Konfigurator

OroCommerce

Produktlogik

Kundenkonten

Regelwerk

Preislisten

VariantenprĂźfung

Warenkorb

Visualisierung

Angebote

StĂźcklistenbildung

Bestellungen

CAD-Integration

Kundenportal

Dadurch bleibt die Architektur flexibel und wartbar.

 

SKU-AuflĂśsung und StĂźcklisten

Nach Abschluss einer Konfiguration entstehen typischerweise:

  • SKU
  • Variantenartikel
  • StĂźckliste
  • Preis
  • technische Parameter

Diese Informationen werden an OroCommerce Ăźbergeben.

OroCommerce verarbeitet anschließend:

  • Angebot
  • Bestellung
  • Auftragshistorie
  • Wiederbestellung

 

Preisberechnung: Wer besitzt die Preislogik?

Diese Frage wird in vielen Projekten zu spät gestellt.

Es gibt grundsätzlich zwei Ansätze.

Variante 1: Preisberechnung im Konfigurator

Vorteile:

  • schnelle Berechnung
  • technische Regeln und Preise an einer Stelle

Nachteile:

  • Preislogik doppelt vorhanden
  • Synchronisationsaufwand

Variante 2: Preisberechnung in OroCommerce

Vorteile:

  • zentrale Preisverwaltung
  • einheitliche Kundenpreise

Nachteile:

  • komplexere Integrationen

Die richtige Entscheidung hängt stark vom Geschäftsmodell ab.

 

Konfiguration speichern und wiederverwenden

Ein häufig unterschätztes B2B-Feature: Kunden mÜchten Konfigurationen nicht jedes Mal neu erstellen.

Typische Anforderungen:

  • gespeicherte Projekte
  • Wiederbestellungen
  • Varianten kopieren
  • Freigabe durch Kollegen

OroCommerce eignet sich hervorragend als zentrale Ablage fĂźr solche Konfigurationen.

 

Praxisbeispiel: Hersteller variantenreicher Industriekomponenten

Ausgangssituation:

  • Ăźber 5.000 Grundprodukte
  • mehrere Millionen Varianten
  • hoher Angebotsaufwand
  • lange RĂźckfragen-Schleifen

LĂśsung:

  • OroCommerce als Kundenportal
  • Combeenation als Konfigurator
  • ERP-Anbindung fĂźr Preise und VerfĂźgbarkeit

Ergebnis:

  • deutlich schnellere Angebotserstellung
  • weniger manuelle RĂźckfragen
  • hĂśhere Self-Service-Quote

Solche Szenarien finden sich besonders häufig im Umfeld von OroCommerce im Hersteller-Einsatz.

 

Wann reicht der OroCommerce-Standard?

Das native Quote Management reicht häufig aus bei:

  • Handelsunternehmen
  • Großhandel
  • Ersatzteilgeschäft
  • Standardprodukten
  • projektbezogenen Preisverhandlungen

In diesen Fällen steht die Angebotslogik im Vordergrund.

Nicht die Produktkonfiguration.

 

Wann benÜtigen Sie zusätzlich einen Produktkonfigurator?

Ein externer Konfigurator wird sinnvoll bei:

  • Maschinenbau
  • Anlagenbau
  • Elektrotechnik
  • Sonderanfertigungen
  • Engineer-to-Order
  • Configure-to-Order

Sobald technische Regeln und Variantenlogik komplex werden, sollte ein spezialisiertes CPQ-System eingesetzt werden.

 

Fazit

OroCommerce bringt eines der leistungsfähigsten nativen Quote-Management-Systeme im B2B-Commerce mit.

Wichtig ist jedoch die richtige Einordnung:

  • Quote Management ist kein CPQ
  • Angebotsprozess ist nicht Produktkonfiguration
  • Produktkonfiguratoren ergänzen OroCommerce, ersetzen es aber nicht

Die erfolgreichsten Projekte kombinieren häufig beide Welten:

  • OroCommerce fĂźr Kundenportal, Angebote und Bestellungen
  • CPQ-System fĂźr Produktlogik und Konfiguration

Dadurch entsteht eine skalierbare Architektur fĂźr komplexe B2B-Vertriebsprozesse.

 

So unterstĂźtzt Unit M dabei

Sie mĂśchten Angebotsprozesse digitalisieren oder prĂźfen, ob ein externer Produktkonfigurator notwendig ist?

 

Unit M unterstützt Hersteller, Großhändler und Distributoren bei der Auswahl der passenden Architektur – von nativem OroCommerce Quote Management bis zur Integration von Tacton, Combeenation, encoway oder anderen CPQ-Systemen.

FAQ

Hat OroCommerce ein eigenes CPQ-System?

Nicht im klassischen Sinne. OroCommerce bietet ein leistungsfähiges Quote Management, aber keine vollständige regelbasierte Produktkonfiguration wie spezialisierte CPQ-LÜsungen.

Was ist der Unterschied zwischen Quote Management und CPQ?

Quote Management verwaltet Angebote und Preisverhandlungen. CPQ-Systeme konfigurieren Produkte, prĂźfen technische Regeln und berechnen Varianten.

Kann OroCommerce mit Produktkonfiguratoren integriert werden?

Ja. Die Integration externer Systeme wie Tacton, Combeenation, encoway, Configit oder Roomle ist ein etabliertes Architekturmuster.

Wo sollte die Preisberechnung stattfinden?

Das hängt vom Anwendungsfall ab. In einigen Projekten erfolgt die Preisberechnung im Konfigurator, in anderen zentral in OroCommerce oder im ERP-System.

KĂśnnen Kunden Konfigurationen speichern und erneut bestellen?

Ja. Konfigurationen kĂśnnen gespeichert, wiederverwendet und erneut bestellt werden, sofern die Integration entsprechend umgesetzt wird.