Produktkonfigurator Software: Anbieter im Vergleich (CPQ, SaaS, Open Source)
Der Markt für Produktkonfiguratoren ist in den letzten Jahren massiv gewachsen. Gleichzeitig ist die Auswahl unübersichtlicher geworden:
- Enterprise-CPQ,
- SaaS-Konfiguratoren,
- Shop-Plugins,
- Headless-Architekturen,
- Open-Source-Komponenten,
- und hybride Ansätze konkurrieren miteinander.
Für B2B-Hersteller im deutschen Mittelstand ist deshalb weniger die Frage:
„Welche Software ist die beste?“
sondern:
„Welche Architektur passt zu unserer Variantenkomplexität, Systemlandschaft und Vertriebsorganisation?“
Die Grundlagen dazu erklärt der Artikel
Produktkonfigurator Grundlagen und Einsatz.
Drei Software-Kategorien für Produktkonfiguratoren — eine pragmatische Marktteilung
Der Markt lässt sich sinnvoll in drei Gruppen unterteilen. Diese Einteilung hilft deutlich mehr als klassische „Top-10-Listen“.
Enterprise-CPQ (SAP CPQ, Tacton, Configit, camos)
Diese Lösungen richten sich an:
- große Industrieunternehmen,
- komplexe Variantenlogik,
- Engineer-to-Order,
- globale Vertriebsorganisationen.
Typische Eigenschaften:
- sehr leistungsfähige Regelengines,
- tiefe ERP-/SAP-Integration,
- Angebots- und Freigabeworkflows,
- komplexe Preislogik,
- Variantenmanagement auf Enterprise-Niveau.
Geeignet für:
- Maschinenbau,
- Elektrotechnik,
- Anlagenbau,
- globale Hersteller.
Typische Kosten:
- ab 80.000 EUR/Jahr,
- häufig deutlich darüber.
Mittelstands-SaaS (Combeenation, Roomle, elfsquad, encoway, excentos)
Diese Kategorie wächst aktuell am stärksten im DACH-Mittelstand.
Typische Vorteile:
- schneller Start,
- geringere Initialkosten,
- moderne Oberflächen,
- gute Shop-Integration,
- SaaS-Betrieb ohne eigene Infrastruktur.
Geeignet für:
- Mittelstand mit 20-500 Mitarbeitern,
- Händlerportale,
- Möbel,
- Fenster/Türen,
- standardisierte Industrieprodukte.
Typische Kosten:
- ca. 12.000-50.000 EUR/Jahr.
Headless / Open Source (Configurator-Komponenten, Eigenentwicklung)
Hier steht maximale Flexibilität im Vordergrund.
Typische Einsatzfelder:
- komplexe Individualprozesse,
- API-first-Architekturen,
- Außendienst-Apps,
- hochgradig integrierte Plattformen.
Vorteile:
- volle Kontrolle,
- keine Vendor-Abhängigkeit,
- flexible UX,
- individuelle Regelmodelle.
Nachteile:
- hoher Initialaufwand,
- Wartungsverantwortung,
- längere Time-to-Market.
Typische Investition:
- ca. 100.000-300.000 EUR Einmalaufwand.
Mehr zur Architekturfrage:
CPQ vs. reiner Produktkonfigurator
Auswahlkriterien – die 8 Fragen, die Sie vor dem Anbieter-Pitch klären müssen
Viele Projekte scheitern nicht an der Software — sondern an unklaren Anforderungen.
Regelbasiert vs. parametrisch – welche Konfigurator-Engine passt
Die wichtigste Frage zuerst:
Brauchen Sie echte Regelvalidierung oder nur Varianten-Auswahl?
Parametrische Konfiguration reicht oft für:
- Möbel,
- Fenster,
- einfache Produktvarianten.
Regelbasierte Engines sind nötig bei:
- Maschinenbau,
- Elektrotechnik,
- Verpackung,
- komplexen technischen Abhängigkeiten.
3D-Visualisierung als Pflicht oder Kür
3D klingt attraktiv, lohnt sich aber nicht immer.
3D bringt Mehrwert vor allem bei:
- erklärungsbedürftigen Produkten,
- visueller Differenzierung,
- Händler- oder Architektenportalen,
- komplexen Baugruppen.
Nicht jede B2B-Konfiguration benötigt Echtzeit-Rendering.
ERP/PIM/Shop-Integration (SAP, Dynamics, Akeneo, Shopware, BigCommerce, OroCommerce)
In vielen Projekten entstehen die größten Kosten nicht im Frontend, sondern in der Integration.
Typische Systeme:
- SAP
- Microsoft Dynamics
- proALPHA
- Akeneo
- Pimcore
- Shopware
- BigCommerce
- OroCommerce
- Magento / Adobe Commerce
Integrationsaufwand macht häufig: 30-60 % des Gesamtprojekts aus.
Datenmodell (PIM-fähig?) und Mehrsprachigkeit
Ein Konfigurator ist nur so gut wie seine Datenbasis.
Wichtige Fragen:
- Unterstützt die Software komplexe Produktbeziehungen?
- Sind mehrsprachige Datenmodelle möglich?
- Lassen sich technische Attribute sauber strukturieren?
- Kann das System mit PIM-Lösungen arbeiten?
Anbietervergleich (Tabelle mit Schwerpunkten, nicht „der Beste“)
| Anbieter | Kategorie | Stärke | Schwäche | Typischer Einsatz |
| SAP CPQ | Enterprise | SAP-Integration | hohe Kosten | Großunternehmen |
| Tacton | Enterprise | komplexe Regelwerke | lange Einführung | Maschinenbau |
| Configit | Enterprise | Variantenlogik | hoher Modellierungsaufwand | Industrie |
| camos | Enterprise | DACH-Industriefokus | komplexe Projekte | Maschinenbau |
| Combeenation | SaaS | schnelle Einführung | weniger Enterprise-Tiefe | Mittelstand |
| Roomle | SaaS + 3D | starke Visualisierung | Fokus Möbel/Interior | Händlerportale |
| encoway | SaaS/CPQ | Industrie-Erfahrung | mittlere Komplexität | Maschinenbau |
| excentos | SaaS | visuelle Konfiguration | begrenzte Regelengine | Variantenprodukte |
| Shopware Plugins | Plattform-nah | schneller Einstieg | begrenzte Logik | E-Commerce |
| BigCommerce Extensions | Plattform-nah | flexibel | hoher Integrationsaufwand | BigCommerce |
⇔
Enterprise-Segment: Tacton, Configit, SAP CPQ – wofür sich der Aufwand lohnt
Diese Systeme lohnen sich besonders bei:
- mehreren tausend Produktvarianten,
- globalem Vertrieb,
- komplexen Freigabeprozessen,
- tiefem SAP-Footprint.
Nicht sinnvoll für:
- kleine Vertriebsteams,
- geringe Variantenkomplexität,
- schnelle MVP-Projekte.
Mittelstands-Segment: Combeenation, encoway, Roomle, excentos – DACH-Fokus
Diese Lösungen adressieren genau die Lücke, die viele Mittelständler haben:
- zu komplex für einfache Shop-Plugins,
- aber zu klein für Enterprise-CPQ.
Besonders stark:
- schnelle Einführung,
- moderne UX,
- DACH-Projektpartner,
- überschaubare Betriebskosten.
Plattform-Integration: Shopware, BigCommerce Konfiguratoren, OroCommerce Extensions
Für bestehende E-Commerce-Systeme existieren:
- Plugins,
- Middleware-Lösungen,
- oder headless APIs.
Geeignet für:
- einfache bis mittlere Variantenlogik,
- Commerce-getriebene Projekte,
- schnelle Erweiterungen.
Nicht ideal für:
- hochkomplexe technische Regeln,
- CAD-/ERP-intensive Prozesse.
Open Source / Eigenentwicklung – wann es sich rechnet
Eigenentwicklung lohnt sich typischerweise nur wenn:
- Konfiguration Kernbestandteil des Geschäftsmodells ist,
- extreme Individualität erforderlich ist,
- internes Entwicklungsteam vorhanden ist,
- oder bestehende Produkte technisch nicht passen.
Dafür entstehen:
- maximale Flexibilität,
- aber auch langfristige Wartungsverantwortung.
Preise (realistische Spannen, keine Listenpreise)
| Kategorie | Typische Kosten |
| Enterprise-CPQ | ab 80.000 EUR/Jahr |
| Mittelstands-SaaS | 12.000-50.000 EUR/Jahr |
| OSS/Eigenentwicklung | 100.000-300.000 EUR einmalig |
| Integrationsprojekt | häufig zusätzlich 30-60 % |
| 3D-Visualisierung | oft 1.000-5.000 EUR pro Modell |
Mehr zu Budget und Business Case:
Kosten und Budget für die Konfigurator-Einführung
Versteckte Kosten, die kein Anbieter im Pitch nennt
Fast jeder Anbieter unterschätzt:
- Datenaufbereitung,
- Regelmodellierung,
- ERP-Integration,
- PIM-Strukturierung,
- Schulungen,
- Governance,
- und Change-Management.
Besonders kritisch: Schlechte Produktdaten kann kein Konfigurator kompensieren.
Entscheidungsmatrix nach Unternehmensgröße und Variantenkomplexität
| Unternehmensgröße | Variantenkomplexität | Empfehlung |
| <50 Mitarbeiter | gering | SaaS / Shop-Plugin |
| 50-250 Mitarbeiter | mittel | Mittelstands-SaaS |
| 250-1000 Mitarbeiter | hoch | Enterprise-CPQ |
| API-first Plattformstrategie | hoch | Headless / Eigenentwicklung |
| Maschinenbau mit SAP | sehr hoch | CPQ + SAP-Integration |
⇔
Fazit
Es gibt nicht „die beste“ Produktkonfigurator-Software.
Entscheidend sind:
- Variantenkomplexität,
- Integrationsbedarf,
- ERP-Landschaft,
- Vertriebsmodell,
- und internes Know-how.
Viele Mittelständler fahren heute mit:
- SaaS + guter Integration
deutlich besser als mit Enterprise-Overengineering.
Gleichzeitig gilt: Je technischer und regelbasierter die Produkte werden, desto wichtiger werden:
- Architektur,
- Regelengine,
- und Integrationsstrategie.
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FAQ
Was ist der Unterschied zwischen CPQ und Produktkonfigurator?
CPQ erweitert Produktkonfiguration um Angebotserstellung, Preislogik und Vertriebsworkflows.
Welche Produktkonfigurator-Software eignet sich für den Mittelstand?
Häufig SaaS-Lösungen wie Combeenation, Roomle oder encoway.
Wann lohnt sich Enterprise-CPQ?
Bei hoher Variantenkomplexität, globalem Vertrieb und tiefen ERP-Prozessen.
Ist Open Source günstiger?
Nicht automatisch. Die Entwicklung und Wartung verursachen oft hohe Gesamtkosten.
Welche Rolle spielt ERP-Integration?
Sie ist meist der wichtigste Kosten- und Architekturtreiber im Projekt.
Wann lohnt sich ein Headless-Konfigurator?
Bei API-first-Architekturen, komplexer UX oder mehreren digitalen Touchpoints.
Wie lange dauert die Einführung typischerweise?
SaaS-Projekte oft 3-6 Monate, Enterprise-Projekte 9-18 Monate.
Welche versteckten Kosten werden häufig unterschätzt?
Datenmodellierung, PIM-Vorarbeit, Regelpflege und Schulungen.